Schlossmuseum Quedlinburg oder die streitbaren Stiftsdamen

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Das Schlossmuseum Quedlinburg dokumentiert die Geschichte des Reichsstiftes auf dem Schlossberg. Das Stift wurde nach dem Tod des ersten deutschen Königs 936 gegründet. Das freie, weltliche Stift diente zum einen dem Gedenken an König Heinrich I. Die Wohngemeinschaft adliger Frauen hatte aber auch die Aufgabe, die Töchter des Adels zu erziehen. Um diese Aufgaben auch finanziell bewältigen zu können erhielt das Stift Dörfer, Städte oder Ländereien geschenkt. So reichten die Besitztümer des Stiftes bis nach Potsdam. Durch die Verwaltung ihrer umfangreichen Güter griffen die gebildeten Stiftsdamen auch immer mal wieder in die Politik ein. Die adligen Frauen waren zwar sittsam aber auch streitbar.

Als elfjährige übernahm Mathilde die Leitung des Stifts

Die erste Stiftsvorsteherin war Mathilde. Die Tochter Kaiser Ottos I. wurde bereits als elfjährige zur Äbtissin von Quedlinburg geweiht. Sie baute Quedlinburg zu einem Zentrum des Ottonenreiches aus. Im Jahr 994 erhielt sie das Münz-, Markt- und Zollrecht. Von 997 bis zu ihrem Tod 999 hatte sie die Regentschaft für ihren Neffen Otto III. und war damit die mächtigste Frau des Reiches. Ihre letzte Ruhestätte befindet sich in der Krypta des Doms.

Missbrauchsopfer: Kaisertochter Adelheid

Ihrer Ururenkelin Kaisertochter Adelheid (1045-1096) erlitt dagegen viel Ungemach. In mehreren Schriften ist zu lesen, dass die älteste Tochter Heinrich III. im Beisein und auf Befehl ihres Bruders Heinrich IV. vergewaltigt wurde. Nichtsdestotrotz übernahm sie 1060 das Amt der Äbtissin in Quedlinburg. Ihre Grabplatte ist in der Krypta des Doms zu sehen.

Adelheid III. von Sommerschenburg (1130-1184) wurde von der heiligen Hildegard von Bingen erzogen. 1152/3 wurde sie Äbtissin in Gandersheim, 1160/61 auch in Quedlinburg.

Hedwig von Sachsen legte sich mit den Quedlinburger an

Hedwig von Sachsen (1459-1511) war die Tochter der Kurfürsten Friedrich II. von Sachsen. Die Quedlinburger versuchten vergeblich, sich gegen die Herrschaft der Äbtissin aufzulehnen. Ihre Nachfolgerin, Magdalene von Anhalt-Köthen-Zerbst (1491-1515) legte sich sogar mit Herzog Georg von Sachsen an.

Unter Anna II. zu Stolberg (1504-1574) wandelte sich das katholische Stift in ein evangelisches. Ihre Nachfolgerin Anna III. zu Stolberg (1565-1601) musste sich gegen den Magistrat der Stadt Quedlinburg zur Wehr setzen. Der Kaiser bestätigte ihr, dass sie, die Äbtissin, die einzige Herrscherin des Stifts und der Stadt sei.

Preußische Prinzessin Amalie

Prinzessin Amalie von Preußen (1723-1787) wurde von ihrem Bruder, Friedrich dem Großen, sicherheitshalber mit dem Posten der Äbtissin in Quedlinburg versorgt. So stellte er sicher, dass seine begabte Schwester keine Dummheiten begehen konnte. Amalie war musikalisch und komponierte Kantaten, Choräle und Märsche. Sie ließ sich für das Berliner Stadtschloss eine eigene Orgel bauen. Die Orgel ist heute in der Kirche zur Frohen Botschaft im Berliner Ortsteil Karlshorst zu sehen. Prinzessin Amalie leitete das Quedlinburger Stift mehr als 20 Jahre.

Schwedische Königstochter gründet erstes Theater in Quedlinburg

Nach Prinzessin Amalie übernahm die Tochter des schwedischen Königs Sophie Albertin von Schweden (1787-1829) die Leitung. Sie gründete das erste Theater in Quedlinburg. Die letzte Tochter des Hauses Wasa zog sich nach der Säkularisierung im Jahr 1803 nach Schweden zurück.

Viele der Äbtissinnen in dem fast 900 Jahre bestehenden Stift fanden ihre letzte Ruhestätte in der Stiftskirche St. Servatius auf dem Schlossberg. Wie edel die Damen lebten lässt sich beim Besuch des Schlossmuseums erkunden. Die Wohn- und Arbeitsräume stehen einem Fürsten in nichts nach.

Papageien-Taucher-Infos

Schlossmuseum: Schlossberg 1; Telefon: 03946-905681; Öffnungszeiten: April bis Oktober Di-So 10-18 Uhr, November bis März 10-16 Uhr, 24. / 25. Dezember geschlossen; Eintritt: 3,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euros (mit Harz-Card freier Eintritt), Familienkarte 8,50 Euro Kombikarte Schloss und Kirche 9,50 bzw. 7,50 Euro

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Bildquellen

  • Schlossmuseum Quedlinburg: papageientaucher

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