Humboldt Forum – Weltkultur im Ex-Schloss

Das Humboldt Forum ist das neues Kulturzentrum am Schloßplatz in Mitte. Im Nachbau der Hohenzollern-Residenz werden die Schätze der außereuropäischen Sammlungen sowie des Stadtmuseums präsentieren. Gleichzeitig soll dem Neubau mit zahlreichen Veranstaltungen von Konzerten bis zu Lesungen mehr Leben verliehen werden, als es bei einem Museum üblich ist. Im Haus sind Cafés und Restaurants. Von der Dachterrasse haben Besucher einen tollen Blick über die Innenstadt. Die für September 2020 anvisierte Eröffnung musste wegen der Corona-Pandemie erneut verschoben werden. Mit sechs Ausstellungen hat das Haus nun am 20. Juli 2021 eröffnet. Während der ersten 100 Tage können Interessierte das Haus kostenlos besuchen. Es ist aber ein Zeitticket nötig (siehe unten).

Schloss-Neubau trotz Kritik

Nach langen Diskussionen über das Für und Wider der Rekonstruktion des königlichen Schlosses in der Stadtmitte entschied sich eine Kommission für den Wiederaufbau. Denn das spätbarocke Haus bildet zusammen mit Altem Museum, Zeughaus und Berliner Dom ein Gebäudeensemble in der Mitte der einst preußischen Hauptstadt. Dort wo das ehemalige Königliche Schloss stand, wurde der Neubau 2013 im Angriff genommen. Nach Plänen des Architekten Franco Stella erhält das Museum an drei Seiten die rekonstruierte, barocke Fassade. Auf der Spreeseite steht der moderne Entwurf im Vordergrund. Auch die Kuppel samt Kreuz wird erneuert. Dazu kommen drei Seiten des Schlüterhofes in historischem Stil sowie die Innenseite des Eosanderportals. Innen präsentiert sich das Gebäude dagegen schlicht, modern und funktional. Es will ein Ort der Weltkultur mit Exponaten aus vier Kontinenten seien. Dazu zählt unter anderem die berühmte Sammlung des Ethnologischen Museums, die beispielsweise Häuser und Boote aus Ozeanien zeigt.

Spenden für die barocke Fassade

Der Förderverein Berliner Schloss rund um den Initiator Wilhelm von Boddien hat sich seit den 1990er-Jahren für den Wiederaufbau des Schlosses eingesetzt. Er sammelte Spenden für die historische Rekonstruktion der Schlossfassade. Auch die Stiftung Humboldt Forum bittet um Spenden für das barocke Ambiente. Bisher sind  105 Millionen Euro an privaten Spenden zusammen gekommen. Damit wird vor allem die historischen Fassade wiederhergestellt. Die Stiftung Humboldt Forum ist gleichzeitig Eigentümerin, Bauherrin und Betreiber des Forums. Insgesamt hat der Neubau des Kulturzentrums mehr als 680 Millionen Euro gekostet.

Das Bernsteinzimmer erhielt Zar Peter der Große

Das Königliche Schloss auf der Spreeinsel war vom 15. bis zum 20. Jahrhundert die Winterresidenz der Hohenzollern. Kurfürst Friedrich II., genannt Eisenzahn, erkor die Spreeinsel der Doppelstadt Berlin Cölln zu Sitz des Hofes. Der erste Schlossbau war 1451 fertig. In den kommenden Jahrhunderten wurde das Schloss immer weiter ausgebaut und modernisiert. Seine markante Fassade erhielt das Schloss durch den Baumeister Andreas Schlüter, der ab 1699 als Schlossbaumeister tätig war. Mit dem Louvre in Paris als Vorbild wandelte er das Schloss von 1699 an zu einem Profanbau des protestantischen Barocks um. Später, 1845-1853, fügten Friedrich August Stüler und Albert Dietrich Schadow die imposante Kuppel über dem Eosanderportal dazu. Das berühmte Bernsteinzimmer schenkte Friedrich Wilhelm I. im Jahr 1716 dem russischen Zaren Peter dem Großen.

Sprengung des Schlosses

Im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, ließ das DDR-Regime 1950 die Reste des Schlosses unter dem Motto „es soll uns nichts mehr an unrühmlich Vergangenes erinnern“ sprengen. 20 Jahre später stand an Stelle des Schlosses der Palast der Republik. Er wurde nach Plänen des Architekten Heinz Graffunder zwischen 1973 bis 1976 erbaut. Im imposanter Neubau hatte die Volkskammer ihren Sitz. Gleichzeitig war das Gebäude Kongress- und Freizeitzentrum für 5000 Besucher. Für viele Bürger war der Palast der Republik mit seinen vielen Gaststätten und Veranstaltungsräumen deshalb auch durchaus mit guten Erinnerungen verknüpft. Er war aber auch ein Symbol der DDR. Nach der Wiedervereinigung wurde das Gebäude mit der markanten orangeroten Fensterfront wegen Asbest geschlossen und 2006 abgerissen.

Gang in den Schlosskeller

Eine Ausstellung sowie mehrere Erinnerungsorte im Haus widmet sich der Geschichte des Schlosses und seiner Nachfolger. So führt eine Treppe hinab in den ehemaligen Schlosskeller. Dort sind originale Teile des mittelalterlichen Dominikanerkloster sowie Fundamente des Schlosses zu sehen.

Papageien-Taucher-Info

Schloßplatz, 10178 Berlin; Telefon: +49-(0)30-992118989; Öffnungszeiten: Mo, Mi, Do, So 10-20 Uhr, Fr/Sa 10-22 Uhr; Eintritt (vom 13. November an): je nach Ausstellung 7-12 Euro, ermäßig die Hälfte, Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr haben freien Eintritt sowie Inhaber des Berlin-Passes; Internet: humboldtforum.org/de

Hinweis: Wegen der Corona-Pandemie kann es zu Einschränkungen kommen. Im Haus gilt FFP2-Maskenpflicht und Abstandsgebot

Anfahrt
Anfahrt: Buslinien 100, 245, 300 bis Lustgarten, 200 bis Spandauer Straße
Tramlinien M 1 und 12 bis Am Kupfergraben oder Georgenstraße, M 4, M 5 und M 6 bis Hackescher Markt oder Spandauer Straße
S-Bahnlinie S 5,  S7, S 75 bis Hackescher Markt oder Alexanderplatz

In der Nähe

Bode-Museum
Pergamonmuseum
Neues Museum
Deutsch-Historisches Museum
Lustgarten
DDR-Museum
Berliner Dom
Sealife
Rotes Rathaus
Hackescher Markt
Alexanderplatz

Bildquellen

  • Humboldt Forum: papageientaucher

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