Zellengefängnis Lehrter Straße in Moabit

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Das Zellengefängnis Lehrter Straße in Moabit hat eine unrühmliche Geschichte. Der heutige Geschichtspark versteckt sich hinter einer roten Ziegelmauer auf der nördlichen Seite der Invalidenstraße vis a vis vom Hauptbahnhof. Im Innenbereich, wo sich eine Grünfläche befindet, stand einst das berüchtigte Zellengefängnis.

Der Hauptmann von Köpenick saß in der Lehrter Straße ein

Während der Kaiserzeit saß unter anderem Schuster Voigt dort ein. Er ist besser bekannt als Hauptmann von Köpenick. Später wurden dort Schriftsteller Wolfgang Borchert, Sänger und Regisseur Ernst Busch sowie Widerstandskämpfern des Kreisauer Kreises inhaftiert. 1943 verhafteten die Nazis Helmuth Graf von Moltke. Er wurde des Hochverrats bezichtigt in das berüchtigte Gefängnis an der Lehrter Straße verlegt.

Albrecht Haushofers Moabiter Sonette

Tragisch war auch das Schicksal des Schriftstellers Albrecht Haushofer. Er verfasste in der Haftanstalt seine „Moabiter Sonette“. Wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er im April 1945 in der Nähe des Gefängnisses von SS-Männern ermordet. Ein Fragment aus seinem Gedicht „In Fesseln“ ist in großen Lettern an den nördlichen Mauerabschnitt geschrieben: „Von allem Leid, das diesen Bau erfüllt, ist unter Mauerwerk und Eisengittern ein Hauch lebendig, ein geheimes Zittern.“

1850: Isolationshaft galt als modern

Das Zellengefängnis Lehrter Straße wurde 1842–49 von Carl Ferdinand Busse im Auftrag von König Friedrich Wilhelm IV. als Kopie des Londoner Gefängnisses Pentonville erbaut. Es bestand aus vier, sternförmig angeordneten Zellentrakten, die 520 Einzelzellen enthielten. In dem Mustergefängnis wurde strikte Isolationshaft betrieben. Für Spaziergänge im Freien gab es 20 kleine Höfe, in denen die Gefangenen einzeln Hofgang hatten. Sprechen war untersagt. In der Kirche und in den Schulräumen saßen die Gefangenen in senkrechten Holzkisten, damit sie keinen Kontakt zu anderen Häftlingen bekamen.

Sondergefängnis der Nazis

Von 1940 an nutzen Wehrmacht als auch Polizei und ab 1941 auch die Gestapo Moabit als Untersuchungshaftanstalt, in der Häftlinge gefoltert wurden. Bereits einen Tag nach dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 richtet die Gestapo dort eine „Sonderabteilung 20. Juli 1944“ ein. Kurz vor Kriegsende im April 1945 wurden 18 Häftlinge von Gestapo-Sonderkommandos in unmittelbarer Nähe des Zellengefängnisses ermordet: Albrecht Graf von Bernstorff, Klaus Bonhoeffer, Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg, Albrecht Haushofer, Max Jennewein, Hans John, Richard Kuenzer, Carl Marks, Carlos Wilhelm Moll, Ernst Munzinger, Wilhelm zur Nieden, Friedrich Justus Perels, Hans Victor von Salviati, Rüdiger Schleicher, Ernst Schneppenhorst, Hans-Ludwig Sierks, Sergej Sossimow und Wilhelm Staehle.

Alliierte Haftanstalt

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Alliierten den Gebäudekomplex bis März 1955 als Haftanstalt. Ende 1946 wurde hier die einzige Hinrichtungsstelle des Westsektors eingerichtet. Zwischen Januar 1947 und Mai 1949 fanden dort insgesamt zwölf Hinrichtungen statt. In den Jahren 1957/58 wurde das Gefängnis abgerissen. Erhalten blieben lediglich Teile der Gefängnismauer und drei Beamtenwohnhäuser, die heute unter Denkmalschutz stehen.

Geschichtspark Zellengefängnis Lehrter Straße

Seit 1992 steht das Gelände unter Denkmalschutz. 2006 wurde der Geschichtspark eröffnet. Die Berliner Landschaftsarchitekten Silvia Glaser und Udo Dagenbach schufen einen Park, der mit modernen Mitteln an das ehemalige Zellengefängnis erinnert.
Niedrige Betonmauern zeichnen die Außenwände der vier Zellenflügel nach. Zwei der Zellenflügel sind als schräg ansteigende Rasenflächen zu erfahren. Das ehemalige Verwaltungsgebäude im Westen symbolisiert kastenförmig geschnittene Blutbuchen. Trittsteine zeichnen die Grundrisslinien von drei Spazierhöfen im Norden nach. Etwas Besonderes ist die nachgebaute Zelle: Betritt man sie, ertönen vertonte Gedichte von Albrecht Haushofer.

Papageien-Taucher-Info

Invalidenstraße 55, 10557 Berlin; Öffnungszeiten: April bis September 8-21 Uhr, Oktober bis März 8-16 Uhr
Anfahrt: S-Bahnlinien: S 5, S 7, S 75 bis Hauptbahnhof
Bus: 120, 123, 245

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Bildquellen

  • Zellengefängnis Lehrter Straße: papageientaucher

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