Kloster Lehnin – Zeuge der Besiedlung Brandenburgs

Das Kloster Lehnin war das erste Zisterzienser Kloster in der Mark Brandenburg. Nach einer wechselvollen Geschichte unterhält seit einigen Jahrzehnten das Diakonissenhaus neben einem Krankenhaus zahlreiche Einrichtungen der Alten- und Jugendhilfe auf dem sehr weitläufigen Areal. Besucher sind willkommen und können sich auf dem einstigen Klostergelände ein Bild von den Anfängen der Besiedlung der Mark Brandenburg machen. Denn das Kloster Lehnin hat eine spannende Geschichte.

Museum des Klosters Lehnin

Ein guter Einstieg in die Welt der Zisterzienser und des klösterlichen Lebens ist der Besuch des Klostermuseums im einstigen barocken Amtshaus. Die Ausstellung „Wo Himmel und Erde sich begegnen“ dokumentiert die Lebens- und Arbeitsweisen der ersten Zisterziensermönche in der Mark Brandenburg. Im Amtshaus befindet sich auch ein Klosterladen und ein Café (Öffnungszeiten: werktags 10-17 Uhr, sonntags 13-17 Uhr, Eintritt 3, ermäßigt 2 Euro).

Klosterkirche St. Marien

St. Marien ist eine der bedeutendsten Backsteinbauten der Mark Brandenburg. In der dreischiffige Kirche existieren von der Apsis sowie vom Querschiff und den Nebenkapellen noch die Grundmauer aus der Gründungsphase zu Beginn des 12. Jahrhunderts. Das Langhaus und der Kreuzgang sind in ihren Dimensionen sehenswert. Von der Inneneinrichtung ist nicht mehr viel erhalten geblieben. Besonders interessant ist der Hochaltar und der verkieselte Eichenstamm, der auf die Gründungslegende verweist (siehe unten). Der ursprüngliche Lehniner Altar steht im Dom in Brandenburg an der Havel.

Bei dem spätgotische Flügelaltar von 1476, der jetzt in der Kirche steht, handelt es sich um eine Leihgabe. Das Triumphkreuz (1240) stammt aus der Dorfkirche Groß-Biesen.

Kloster mit Klausur und Bibliothek

Der Schlafsaal (Dormitorium) der Mönche schließt sich direkt an die Kirche an. Im Südflügel befand sich der Speisesaal. Der Konversenflügel im westliche Teil war streng von der übrigen Klausur getrennt. Denn bei den Konversen handelte es sich um Laienbrüder. Heute ist in diesem Gebäudeteil das Luise-Henriette-Haus untergebracht.

Im Kreuzgang befinden sich Buchnischen. Das Kloster verfügte in der Mitte des 15. Jahrhunderts mit etwa 560 Bänden über einen beachtlichen Bibliotheksbestand, der leider verschollen ist.

Königs-, Abt- und Leibnizhaus

Das sogenannte Königshaus war zu Klosterzeiten wahrscheinlich Hospital. Wilhelm IV. baute es für die Jagd aus. Südlich vom Königshaus liegt das Falkonierhaus. Es diente als Gästehaus für das Kloster und später den Kurfürsten. Heute ist dort der Kindergarten untergebracht.

Fast wie eine Puppenstube mutet das Abthaus an. Das alte Torhaus stammt aus dem 13. Jahrhundert. Der Anbau des Leibnizhauses erfolgte nach 1877. Heute befindet sich dort das Gästehaus des Klosters. Wer will, kann in den historischen Gebäuden übernachten.

Kornspeicher, Tor und Turm

Aus dem 15. Jahrhundert stammt das ehemalige Kornhaus mit seiner beeindruckenden Backsteinfassade. Die Größe verrät etwas über den einstigen Reichtum der Mönche. Hinter dem Kornspeicher liegt der Kräutergarten. Von April bis Oktober können Besucher dort mehr über Kräuter erfahren und im Teegarten bei einer Tasse Tee oder Kaffee eine Pause einlegen. An der südwestlich liegenden Klostermauer befindet sich die Ruine des Wehrturms aus den 14. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert wurde der Turm auch Hungerturm genannt, denn er diente als Gefängnis.

Markgraf Otto: von Brandenburg gründet 1180 das Kloster

Damals lebten in dem Gebiet noch heidnische Slawen. Markgraf Otto I. schickte sozusagen die Mönche voraus, um das Gebiet zu zivilisieren und nutzbar zu machen. Die Zauche war eine eher unwirtliche, sumpfige Gegend, etwa 15 Kilometer vom Sitz der Askanier in Brandenburg an der Havel entfernt. Im Lauf der Zeit erweiterten die Mönche ihr Gebiet bis nach Werder an der Havel und bis nach Berlin. Zu den Besitzungen des Klosters Lehnin zählten im 14. Jahrhundert unter anderem die Dörfer Zehlendorf und Wandlitz.

Die Zisterzienser griffen auch zum Schwert

Die Mönche betrieben einen regen Handel mit Honig, Getreide, Fleisch, Fisch, Leder und Molkereiprodukten. Sie bauten ein Handelsnetz in der Mark Brandenburg auf. Das ging nicht immer nur mit freundlichen Worten, manche Brüder griffen auch zum Schwert. Ein Teil der Bewohner des Klosters waren sogenannte Konversen – Laienbrüder. Sie waren von einigen religiösen Pflichten entbunden und konnten so Felder bestellen und Handel treiben. Auch diverse Mühlen gehörten dem Kloster.

Die Mönche leihen Erfurt und Lüneburg Geld

Im 15. Jahrhundert waren die Einnahmen des Klosters so gut, dass die Mönche den Städten Erfurt und Lüneburg Kredite gewährten. Durch die Säkularisierung wurde das (katholische) Kloster 1542 aufgelöst. Kurfürst Joachim II. fielen das Kloster sowie die dazugehörigen 64 Dörfer samt Einnahmen zu.

König Friedrich Wilhelm gab Geld für den Wiederaufbau von Kloster Lehnin

In den folgenden Jahrhunderten verfiel das Kloster. Schließlich sorgte der Rittergutsbesitzer Robert von Loebell mit Unterstützung durch die Königsfamilie für den Wiederaufbau. König Friedrich Wilhelm IV. finanzierte die Restaurierung der Kirche. 1911 kaufte die Evangelische Landeskirche die Gebäude und gründete das Diakonissenmutterhaus Luise-Henrietten-Stift. Nach dem Zweien Weltkrieg wurde das ehemalige Kloster zu einem Krankenhaus umgebaut.

Die Legende vom weißen Hirschen und der Eiche

Es gibt auch eine Gründungslegende zum Kloster. Danach schlief Otto I. nach einer anstrengenden Jagd unter einer Eiche ein. Im Traum versuchte ein weißer Hirsch, ihn mit seinem Geweih aufzuspießen. Otto I. entschloss sich daher, an der Stelle der Eiche, ein Kloster einzurichten. Ein versteinerter Eichenblock in den Altarstufen soll ein Teil der Eiche sein, unter der Otto seinen Alptraum hatte. Neuere Forschungen kommen jedoch zu dem Schluss, dass es sich bei dem versteinerten Eichenstumpf eher um einen heiligen Baum auf einer Kultstätte der heidnischen Slawen handeln könnte. Denn das Kloster wurde auf einer Kultstätte der Slawen errichtet.

Sommerkonzerte im Kloster Lehnin

Seit nunmehr 40 Jahren verwandelt sich die Klosterkirche im Sommer immer in einem Konzertsaal. Ob Oper, Jazz oder Rock – die Konzerte bieten für jeden Musikfreund etwas (Programm im Internet unter: /www.klosterkirche-lehnin.de/sommermusiken/konzerttermine.html)

Lehnin ist Ausgangspunkt für mehrere Rundwege in die wald- und wiesenreiche Umgebung. Außerdem gibt es an vielen Seen wie dem Klostersee und Gohlitzsee Badestellen.

Papageien-Taucher-Infos

Klosterkirchplatz 20, 14797 Kloster Lehnin; Öffnungszeiten der Klosterkirche: April bis Oktober: werktags 10-16 Uhr, sonntags 13-16 Uhr, November bis März werktags 10.30-15.30 Uhr, sonntags 13-16 Uhr (während des Gottesdienstes kann die Kirche nicht besichtigt werden); Führungen: Anmeldung unter 03382 / 70 41 51

Anfahrt:  Mit dem Auto über die A2, per Bahn bis Groß-Kreutz (Regionalbahnlinie 1), danach weiter mit dem Bus 553 vom Bahnhofsvorplatz

In der Nähe

 

  • Götzer Berg
  • Dorfkirche Götz
  • Rinderzucht-Museum in Groß Kreutz
  • Erdlöcher bei Deetz
  • Lilienthal´sche Sandgrube bei Derwitz
  • Vogelschutzstation Rietzer See bei Schenkenberg
  • Havel-Lebensbaumkreis bei Jeserig
  • Brandenburg an der Havel

 

 

 

Bildquellen

  • Kloster Lehnin: papageientaucher

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