Im Schloss Königs Wusterhausen regierte der Soldatenkönig

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Schloss Königs Wusterhausen liegt auf einer Insel am Zusammenfluss von Dahme und Nottekanal. Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. verbrachte dort gerne die Herbsttage. Berühmt ist das sogenannten Tabakskollegium, eine abendliche Raucherrunde, in der der König mit seinen Ministern über Staatsgeschäfte diskutierte. Das Areal der einstigen Wasserburg ist denn auch heute wieder der wichtigste Anziehungspunkt in der gleichnamigen Kleinstadt mit knapp 20.000 Einwohnern. Die Schlossräume sind nur mit Führung zu besichtigen.

Ein Weihnachtsgeschenk für Friedrich Wilhelm I.

In Alter von zehn Jahren erhielt Friedrich Wilhelm I. das Gut Wusterhausen als Weihnachtsgeschenk. Während sein Vater, Preußenkönig Friedrich I., die junge Königswürde mit entsprechenden Prachtbauen und einer ebenso prachtvollen Hofhaltung untermauerte, setzte sein Sohn später kräftig den Rotstift an, denn sein Vater hatte ihm nicht als Schulden hinterlassen. In den eher einfach und schlicht gestalteten Räumen in Wusterhausen fühlte sich der König wohler als am prunkvollen Hof in Berlin. Friedrich Wilhelm I. konnte zudem gut rechnen. Er schaffte es in kurzer Zeit, das heruntergekommene Gut auf eine solide Basis zu stellen. Auf den König ist die Kameralistik zurückzuführen, ein Buchführung, die Jahrhunderte lang die staatlichen Verwaltung prägte. Außerdem führte er 1717 die allgemeine Schulpflicht in Preußen ein.

Im Schloss Wusterhausen tagte das berühmte Tabakskollegium

Der wichtigste Raum im Schloss rankt sich um das sogenannte Tabakskollegium. König Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) verbracht gerne die Herbstmonate im Schloss Wusterhausen. In diesen Zeiten regierte er von Wusterhausen aus. Allabendlich lud der König die Mitgliedern des Kabinett zur Rauchen ein, um Staatsgeschäfte zu besprechen. Bis auf wenige Ausnahmen mussten alle Minister zur Pfeife greifen, auch die Nichtraucher. Der Raum ist nach alten Vorlagen wieder so hergerichtet worden, wie er einst war. An einer Seite steht das große Weinfass. Es ist aber nicht aus Holz sondern aus Silbertalern zusammengeschmiedet.

Königliche Porträts

In den Räumen, die einst der König nutzte, sind unter anderem 40 Gemälde zu sehen, die von der Hand des Königs stammen. In seinen letzten Lebensjahren malte er, um sich von den Gicht-Schmerzen abzulenken. Der König orientierte sich an niederländischen Porträts. Die Bilder entstanden hauptsächlich im Schloss Kossenblatt, das nur einige Kilometer von Königs Wusterhausen entfernt ist.

Porträtgalerie von adligen Offizieren

Der Soldatenkönig liebte „Lange Kerls“, Soldaten die am besten größer als 1,80 Meter waren. Sie konnten beispielsweise schneller ihre Flinten laden, als kleinere Männer. In einem Raum sind die Wände mit Porträts der adligen Offiziere so gut wie bedeckt. Obwohl Friedrich Wilhelm I. viel Geld in den Aufbau einer Armee steckte, führte er erstaunlicher Weise bis auf die Eroberung von Stralsund 1715 keine Kriege. Offensichtlich ging seine Abschreckungsstrategie durch ein großes Heer auf. Erst sein Sohn Friedrich der Große schickte die Soldaten in den Krieg.

In seinem Arbeitsraum unterzeichnete Friedrich Wilhelm I. das Todesurteil gegen den eigenen Sohn, weil dieser vor dem despotischen Vater flüchten wollte. Das Urteil wurde wieder aufgehoben. Jedoch nicht das Todesurteil gegen Friedrichs Freund und Mitstreiter Hans Hermann von Katte, der 1730 in Küstrin hingerichtet wurde.

Das Wohnzimmer von Königin Sophie Dorothea

Die weltgewandte königliche Gemahlin Sophie Dorothea (1687-1757) hielt sich lieber in den prunkvollen Räumen von Schloss Monbijou in Berlin auf, als in den kargen Räumen von Schloss Wusterhausen. Jedoch gab es wohl eine Übereinkunft, dass sie ihren Gemahl während der Jagdzeit nach Wusterhausen begleitet. In ihren ehemaligen Räumen befindet sich eine Kammer, in der wahrscheinlich ein transportabler Toilettenstuhl stand. Das imposante Sofa mit unzähligen Schubladen stammt aus dem Schloss Monbijou.

Schloss Königs Wusterhausen

Die Familie Schenken zu Landsberg, der die Anlage einst gehörte, ließ die einstige Wasserburg im 16. Jahrhundert zu einem Schloss im Stil der Renaissance umbauen. 1689 gelangte es als Weihnachtsgeschenk in die Hände von Kronprinz Friedrich Wilhelm I. Der entwickelte in Wusterhausen erste Grundlagen für Reformen in Verwaltung, Wirtschaft und Militär. Rund um das Schloss Königs Wusterhausen entstand Ende des 17. Jahrhundert ein barocker Garten nach französischem Vorbild. Ab etwa 1717 erhielt der Ort samt Schloss die Bezeichnung Königs Wusterhausen. Nach dem Tod des Königs wurde das Gebäude nur noch selten als Jagdschloss genutzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Kreisverwaltung ins Schloss. Erst nach der Wiedervereinigung fand eine Restaurierung und die Einrichtung als Museum statt. Da die Hohenzollern bei ihrer Abdankung so gut wie alles Inventar ins Exil abtransportierten, blieb von der ursprünglichen Möblierung so gut wie nichts übrig. Die wenigen Möbelstücke in den Räumen stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Papageien-Taucher-Info/Tipp

Schlossplatz 1, 15711 Königs Wusterhausen; Telefon: +49 (0) 3375-211700; Öffnungszeiten: November bis März Sa/So 10-16 Uhr, April bis Oktober Di-So 10-17.30 Uhr; Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 5 Euro, Fotoerlaubnis 3 Euro; Internet: spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/schloss-schlossgarten-koenigs-wusterhausen/

Tipp: Ab und zu gibt es Sonderführungen, die sich speziellen Themen widmen. Schloss-Leiterin Margit Schulze erzählt Gästen beispielsweise am 24. März 2019 bei einer Führung mehr über „Hochgestellte Damen“ und „die Mode der preußischen Königin Sophie Dorothea und ihrer Töchter“. Am 20, April geht es um „Haselanten und Osterhasen“ und am 2. Juni um „Das verzauberte Schloss“ wie es Theodor Fontane erlebte (Anmeldung zu den Sonderführungen unter +49 (0) 331-9694-200.

Anfahrt
A 100 und A 113 bis Ausfahrt Königs Wusterhausen
Regionalbahn RE 2, RB 22, RB 24, RB 36, S-Bahnlinie 46
Buslinien 721-723, 728-730, 733, 735-737, 739, 790

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Bildquellen

  • koenigswusterhausen1: papageientaucher

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