Kirchmöser – vom Fischerdorf zur Pulverfabrik

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Kirchmöser ist ein Stadtteil von Brandenburg an der Havel. Das ursprüngliche Fischerdorf liegt auf einer Halbinsel inmitten der Havelseen und gehörte bis zum Zweiten Weltkrieg zu Sachsen. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Ortsteil zu einer Industriestadt. Ähnlich wie Siemensstadt in Berlin entstanden rund um die Werkshallen der Königlich-Preußischen Pulverfabrik Wohnungen für Arbeiter. Der Ortsteil hatte sogar einen eigenen Eisenbahnanschluss und innerhalb des Ortes verkehrte ein Pendelzug, der die Arbeiter von ihren Quartieren zur Arbeit und zurück brachte. Heute ist das Areal teilweise ein Freilichtmuseum, das Besucher über die Vergangenheit informiert.

Der Obelisk und Offizierscasino

Sehr pompös gestaltet sich der Eingang zum Industrieareal. Hinter der Seegartenbrücke erweitert sich die Straße zu einem großen Platz, auf dem ein mehrere Meter hoher Obelisk steht. Er erinnert an die Gefallenen der drei Kriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich in den Jahren zwischen 1864 und 1871. Das rote Backsteingebäude am Platz diente anfangs als Offizierscasino, später als Hotel Seegarten. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Klub der Eisenbahner dort sein Domizil.

Das Eingangstor schmückten einst zwei Adler

Zwei flache Ziegelbauten markieren den Eingang zum Werksgelände. Auf den Säulen am Tor standen einst zwei Adler. Die stark beschädigten Skulpturen sind hinter dem Eingang zu besichtigen. Auf der linken Seite steht das Verwaltungsgebäude der einstigen Pulverfabrik. Als 1918 die Pulverfabrikation eingestellt wurde, zog bald darauf die Reichsbahnverwaltung auf das Areal. Nach dem Zweiten Weltkrieg, ab 1957, war eine Klinik in dem Verwaltungsgebäude untergebracht. Bis 2003 waren dort Augenklinik und Orthopädie zuhause.

Zwischen Wasserturm und Heiligem See

Ein Industrielehrpfad mit 13 Stationen führt zu den wichtigsten Gebäuden in Kirchmöser. Vor geschichtsträchtigen Häusern stehen Informationstafeln, die etwas zur Geschichte der Häuser oder Orte erzählen. Der etwa elf Kilometer lange Weg führt einmal durch die drei Ortsteile von Kirchmöser. Start ist am Bahnhof. Von dort verläuft der Weg über das Dorf Kirchmöser um den Heiligen See herum nach Kirchmöser Ost und West.

Die Königlich-Preußische Pulverfabrik

Innerhalb von gut einem Jahr entstanden 1914/15 auf den 550 Hektar großen Areal auf der Halbinsel 400 Fabrikgebäude und 172 Wohnungen. In den besten Zeiten arbeiteten 4000 Mensch, darunter zeitweilig 2000 Kriegsgefangene, auf dem Areal. Bereits 1918 wurde die Pulverfabrik aufgelöst und in Jahr darauf zog die Deutsche Reichsbahn auf das Gelände. In den folgenden Jahren wurden in Kirchmöser Güterzüge und Lokomotiven aufgearbeitet. Außerdem gab es ein Weichenwerk sowie eine Chemische Versuchsanstalt. Während des Zweiten Weltkrieges wurden dort auch Panzer hergestellt. Bis Mitte der 1950er-Jahre reparierte die Sowjetarmee in den Hallen ihre Panzer. Später entstand dort ein Stahl- und Walzwerk.

Alte Dampflok

Nicht weit vom Haupteingang entfernt steht eine alte Dampflok. Sie soll an den Pendelverkehr erinnern. Denn um die Arbeiter von dem weitläufigen Gelände in die Fabrikhallen zu bekommen, pendelte ein Zug zwischen den Wohnquartieren und den Fabrikhallen hin und her. Nach dem Zweiten Weltkrieg verkehrte der Pendelzug zum Schichtwechsel zwischen Genthin und Brandenburg zum damaligen Reichsbahnausbesserungswerk. Die ausgestellte Lok stammt aus der Baureihe 52. Sie wurden ab 1942 als eine von 7000 Kriegslokomotiven produziert. Das ausgestellte Teil kam aber nicht mehr zu Einsatz.

Wasserturm und Namenswechsel

Der 65 Meter hohe Wasserturm ist das Wahrzeichen von Kirchmöser. Er wurde 1916 fertiggestellt. (Zum Türmetag jeweils am zweiten Sonntag im September können Besucher den Turm besteigen.) In dem selben Jahr bekam der Stadtteil auch seinen Namen. Um Verwechselungen mit anderen Orten zu vermeiden wurde der Ort Möser in Kirchmöser umbenannt.

Reichsbahn baute Siedlungskirche

Zum Beginn des 20. Jahrhunderts baute die Reichsbahn in Kirchmöser West und Ost Wohnungen für ihre Arbeiter und Angestellten. In Kirchmöser West entstanden von 1915 an 557 Wohnungen. Sieben Jahre später kamen weitere Wohnhäuser dazu sowie eine Schule und die Kirche. Im evangelischen Gemeindezentrum ließ die Reichsbahn 1928-29 die Westkirche erbauen. Den Entwurf fertigte der Architekt der Reichsbahn, Hugo Roettcher, an. In der damals „modernsten Kirche Deutschlands“ war die Wohnung für den Pfarrer in die Kirche integriert. Bis 2002 war die Bahn zudem Eigentümer des Gotteshauses.

Ein Bunker von Winkel in Kirchmöser

Der Hochbunker an der Platanenallee Ecke Falkenstraße sollte den Arbeiter der Rüstungsindustrie in Kirchmöser Schutz vor Luftangriffen bieten. Entwickelt hat diese Art von Bunker der Architekt Leo Winkel, weshalb diese Art von Bunker auch Winkel-Bunker genannt werden. Der Bunker steht unter Denkmalsschutz.

Das Dorf Möser

Der Ort Möser wird bereit 1358 erwähnt. Möser ist die slawische Bezeichnung für Moor. In Laufe der Jahrhunderte kauften verschiedene Grundbesitzer das Dorf samt Ländereien. Neben dem Erzbischof von Magdeburg und dem Kloster Lehnin erwarb schließlich die Familie von Arnim 1577 das Dorf. Später wechselte es zu Familie von Görne. 1819 wurde das Land parzelliert und an 18 ortsansässige Bauern verkauft. Von dieser wechselvollen Geschichte zeugen heute noch die Dorfkirche und die umliegenden Häuser an der Kreuzung Friedhof Ecke Rathausstraße. Die Dorfkirche an der Gränertstraße 2 steht mitten auf dem Friedhof. Die ursprünglichen Feldsteinmauern weisen zeitlich auf den Beginn des 14. Jahrhunderts hin. Der rechteckige Saalbau wurde 1716 erweitert und der Westturm kam neu hinzu. Im Turmunterbau sind die Familienwappen der Stifter von Görne und Treskow zu erkennen. Die Uferstraße führt hinter dem alten Dorf um den Heiligen See herum zum Stadtteil Kirchmöser Ost.

Kirchmöser Ost

Ähnliche wie in der Siedlung Kirchmöser West entstanden rund um die Straße Am Hang Mitte der 1920er Jahre weitere 387 Wohnungen für Arbeiter der Deutschen Reichsbahn. Die Siedlung wurde später noch erweitert, auch eine Schule kam hinzu. Als typische Waldsiedlung der Zwanziger Jahre des 20. Jahrhundert steht die Wohnanlage genauso wie die Siedlung in West unter Denkmalschutz.

An der Westseite des Heiligen Sees liegt der Lauseberg

Der Heilige See hat eine Größe von 55 Hektar und wird als Fischteich genutzt. Mit einer Tiefe von etwa drei Metern ist er relativ flach. Ein Graben verbindet den Heiligen See mit dem Möserschen See im Osten. An der Westseite erhebt sich der Lauseberg. Südlich vom Dorf Kirchmöser schließt sich das Naturschutzgebiet Gränert mit dem Faulen See an.

Heilig-Geist-Kirche

Im 13. Jahrhundert wurde die Heilig-Geist-Kirche im Dorf geweiht. Durch die Reformation vor 500 Jahren wurde das Gotteshaus protestantisch. Erst 1896 gab es in Kirchmöser in wechselnden Räume wie der Gaststätte Seeblick Gottesdienste nach römisch-katholischer Zeremonie. 1917 entstand dann ein Gotteshaus in alten Arbeiterbaracken auf den Industriegelände. Die neue Kirche wurde 1996 auf den Gelände der Familienferienstätte St. Ursula geweiht. 2002 kam der Glockenturm aus Stahl dazu.

Papageien-Taucher-Info

14774 Kirchmöser

Anfahrt
A115, A 10, A 2 bis Ausfahrt Wollin, dann L 94 bis und Bundesstraße 1 bis Brandenburg an der Havel
Bahnlinie RE 1 Richtung Magdeburg bis Bahnhof Kirchmöser

 

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  • Plaue
  • Brandenburg an der Havel
  • Kloster Lehnin

Bildquellen

  • kirchmoeser-hauptverwaltung: papageientaucher

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